Eigentlich wollten wir diesmal wirklich nicht in die Bretagne fahren. Aber: Wir redeten in der Picardie über die beschissene Weltlage, über die Kriegstreiber und über solche Dinge. Wer weiß, wie lange das Reisen noch möglich ist. Carpe diem bekommt nochmal einen ganz anderen Stellenwert. Somit war die Entscheidung gefallen: Scheiß auf die hohen Spritpreise, wir fahren in die Bretagne – Punkt!
Natürlich ein Stopp in Long
Sonntag, 06. September 26: Mal keine Plätze suchen zu müssen ist sehr wohltuend und einige Plätze mögen wir sehr gerne. Long an der Somme gehört dazu. Und so fuhren wir von Berck nach Long und genossen einen wunderschönen sonnigen Tag bei angenehmen 20 Grad.
Spaziergänge entlang der Somme mussten auch sein. Der Fluss ist glasklar. Und die unzähligen Wasserläufer deuten auf eine gute Wasserqualität hin.
Auf dem Rückweg jammerte der Bootshund, weil er Emma nicht erreichen konnte. Und Emma fiepste ihn ebenfalls wehmütig an. Liebe unter Hunden ist nicht immer einfach.
Von Long aus ging es zu einem Platz an der Seine. Nicht erwähnenswert, deshalb gibts auch keine Fotos. Überhaupt wird es bald gar keine Fotos mehr geben, denn der Akku meiner Kamera hat den Geist aufgegeben. Lässt sich nicht mehr aufladen. Schade. Werde ich mich erst in Spanien drum kümmern können. Zu eurer Freude oder Nicht-Freude werde ich ein paar kleine Videos drehen. Die könnt ihr euch anschauen oder überspringen. Für uns ist das alles hier im Blog eine Art Tagebuch mit vielen Erinnerungen.
Beuvron en Auge, Mont St. Michel und so
Weiter ging es bis Beuvron en Auge. Den Ort kennt ihr ja schon und wenn nicht: Klick mal hier. Wir nahmen die Route du Cidre, die wirklich sehr schön ist.
Wir scheinen die Akku-Kaputteritis zu haben. Erst die Kamera und nu die Bordbatterie. Dooferweise ist unsere Batterie kaputt, also die fürs Solar. Nach 7 Jahren Dauergebrauch schwächelt sie nun. Sonst waren Tage mit Wolkenhimmel egal. Nu müssen wir bei bedecktem Himmel spätestens nach 2 Tagen an den Strom. Heißt also: Camping- oder Stellplätze mit Stromanschluss suchen. Bisschen blöd, aber ok. Wir sind ja nur noch knapp 4 Wochen unterwegs und zuhause wird das Ding ausgetauscht.
So konnten wir diesmal nicht auf dem Parkplatz in der Nähe von Mont St. Michel stehenbleiben. Ich bin dort nur mit Emma ein Stück gelaufen, habe den Michel bestaunt und wir haben in Ruhe gefrühstückt. Und die Ulrike kam uns nochmal besuchen. Wer weiß, wo wir sie beim nächsten Mal wiedersehen.
Wir warfen noch im Vorbeifahren einen Blick auf den Michel:
Immer wieder faszinierend, dieses Bauwerk. Und vielleicht gehen wir es irgendwann nochmal besichtigen. Es ist halt ein Touri-Magnet und es strömen täglich zahlreiche Menschen dahin. Wir kennen das noch aus den späten 1990-er Jahren. Da konnten wir noch mit WoMo direkt vorm Michel stehen. Das ist schon lange vorbei. Heute fahren Shuttelbusse zur Insel und die Stellplätze rundherum sind schweineteuer. Ein Stellplatz ist mit 15 Euro noch bezahlbar, aber der war ziemlich voll und man steht Tür an Tür mit Alice oder mit wem auch immer. Nöööö, das wollen wir aber nicht. Also gings weiter.
Juhuuu, Bretagne-Feeling
Der Mont St. Michel gehört noch zur Normandie, aber direkt dahinter beginnt die wunderschöne Bretagne. Ach, was ist das wieder schön, bretonische Luft zu schnuppern. Die Landschaft, die alten Häuser, die Orte…ich könnte direkt wieder endlos schwärmen.
Wir peilten einen privaten Campingplatz an und das war schon komisch, als wir da vorm Tor standen. Nur ein Wohnmobil in der Ferne und das Tor mit Kette verschlossen. Aber es gab eine Telefonnummer. Die Frau am anderen Telefonende sagte, ihr Mann käme jetzt zum Tor. Ok, er kam. Aber es gab keinen Strom, weil die Frau den Schlüssel für den Strom mitgenommen hatte und die Frau kam nämlich heute nicht mehr nach Hause. Und Wechselgeld hatte er auch nicht. Also Tschüss.
So fuhren wir weiter und weiter und landeten schließlich im kleinen Örtchen Pleven. Da gibt es einen Camping Municipal mit Strom und der Platz ist in der Nebensaison auch noch günstig. Fein fein. Wir dachten, wir machen direkt mal eine Dorfbegehung, aber das Dorf ist so klein, dass es letztlich nur die Kirche zu besichtigen gab. Und das auch nur von außen. Aber diese Gebäude sind ja auch immer faszinierend, wenn man bedenkt, dass sie vor langer langer Zeit ohne all die Geräte gebaut wurden, die es heute gibt. Und: Die Bretonen haben einfach ein Händchen dafür, Blumen dekorativ zu drapieren.
Obwohl der Ort nicht viel zu bieten hatte, hatte er doch irgendwie viel zu bieten. Diese Ruhe zum Beispiel. Dieser Charme und diese freundlichen Menschen. Wir haben uns wohlgefühlt, gut geschlafen und den Morgen ruhig angehen lassen.
St. Brieuc bei Ebbe und Flut
Donnerstag, 10. September 2026: Nur knapp 40 Minuten Fahrt und wir waren in St. Brieuc. Dort gibts ein wunderschönes Naturgebiet und da zog es uns wieder hin. Wir kamen bei Ebbe an und das Marschgebiet ist dann eine riesige Wiese mit leeren Prielen.
Und dann verwandelt sich die ganze Landschaft in ein großes Gewässer. Abends kam die Flut und wir gingen noch einmal den Pfad zum Wasser.
Natur kann schon irre faszinierend sein. Das Wasser kam ziemlich schnell, sodass wir ziemlich schnell den Rückweg antraten. Und innerhalb kurzer Zeit hatten wir einen See vor der Türe. Hunderte Vögel erschienen. Vielleicht pickten sie Wattwürmer oder Krebse, wer weiß. Auch Enten fanden den Weg zum Wasser und schnatterten aufgeregt herum. Dazu dieses wundervolle Abendlicht, das so typisch für die Bretagne ist. Oh man, die Bretagne haut mich jedes Mal aus den Socken – im positiven Sinne.
Ein unverhofftes Rockkonzert in Gouarec
Freitag, 11. September 2026: Gouarec muss immer sein. Ihr treuen Leser kennt den Ort. Wenn nicht: klickst du einfach hier. Es ist aber dieses Jahr alles anders: Es ist überall voll! Unglaublich. Das war ja schon in Deutschland so. Normalerweise tingeln wir im September fast alleine durch die Bretagne. Also, nicht alleine, aber so fühlte es sich immer an. Dieses Jahr ist jeder Platz voll, wirklich jeder Platz. In Gouarec war auf dem Campingplatz viel los und der Stellplatz auf der anderen Seite vom Canal war ebenfalls voll. Was mag wohl dieses Jahr anders sein?
Trotzdem war es wieder sehr sehr schön. Geoff und Kate, die Vorbesitzer des Campingplatzes, waren auch anwesend. Denn: An diesem Abend fand ein kleines Rockkonzert mit der Band Lokko statt und Geoff ist der Sänger. Für uns das erste Mal, dass wir Geoff als Sänger und seine Band live erleben konnten.
Und es fand direkt vor unserem WoMo statt. Das war für uns sehr gut, denn so konnten wir immer mal flott einen Blick auf die Emma werfen.
Am frühen Abend gingen die Vorbereitungen los.
Und abends spielte die Band satte 2 Stunden ohne Pause! Es hat irre Spaß gemacht, denn die Band ist mit viel Freude bei der Sache.
Auf zu Emmas Jungbrunnen-Ort
Samstag, 12. September 2026: Wir wären zwar gerne noch ein bisschen in Gouarec geblieben, aber wir haben diesmal einen fixen Termin fürs Nachhausekommen. Und wir wollen unbedingt noch zu Emmas Jungbrunnen-Ort. Also gingen wir heute Morgen noch ein Stück spazieren.
Und dann fuhren wir weiter und stoppten in Huelgoat. Als wir in der Bretagne wohnten, sind wir dort jeden Sonntagmorgen mit Emma gelaufen, haben uns anschließend Croissant und Baguette geholt und machten zuhause ein leckeres Frühstück.
In Huelgoat war es ebenfalls total voll. Was ist nur los diesen Herbst? Der Campingplatz super voll, der Stellplatz ebenfalls. Und am See standen viele Wohnmobile an einem Platz, wo man gar nicht mehr stehen durfte. Selbst an dem Parkplatz, auf dem wir hielten, standen 2 WoMos und die Leute saßen mit Stühlen und Tisch vor ihren Fahrzeugen. Irgendwas ist anders, aber sehr anders.
Wir gingen zuerst eine Runde am See entlang.
Und dann genossen wir ein leckeres Frühstück mit Blick aufs Wasser

Anschließend ging es nochmal ca. 80 km weiter und dann waren wir an unserem Lieblingsort. Emma war tatsächlich heute zuerst nicht so gut drauf. Wir ließen sie deshalb erstmal ruhen. Abends holten wir den Hundebuggy raus und wir gingen zum Meer. Was soll ich euch sagen: Der Buggy blieb leer, denn Emma wird hier immer wieder jünger. Sie freut sich wie Bolle, wenn sie hier ist. Der einzige Unterschied ist diesmal, dass sie angeleint ist. Ziemlich doof für sie, denn flitzen geht nur sehr bedingt. Sie ist immer noch viel schneller als ich. Sie hatte trotzdem Spaß und sie lief sogar durchs Wasser, also laufen, nicht gehen.
Es war Flut und dann picken die Vögel die Strandflöhe.
Hach, ist das schön hier. Es ist und bleibt wohl mein Leben lang mein Herzensort (oder Seelenort oder wie auch immer).

Sonntag, 13. September 2026: Aufwachen, rausschauen, die Dünenlandschaft sehen und: Freudeee! Nachdem wir genüsslich unseren ersten Kaffee getrunken hatten, liefen wir mit Emma los. Sie konnte es kaum abwarten, endlich loszumarschieren. Das ist schon irre, wie ausgewechselt sie an diesem Ort immer ist. Eine Stunde strammen Schrittes marschierten wir mit ihr zu Bach Nr. 2, der auf den Strand führt. Sie schwamm, sie lief, sie zerpflückte dicke Algen – sie war einfach Emma.
Tagsüber hat sie dann Ruhezeit, wobei sie zwischendurch unbedingt raus möchte. Also machen wir draußen Kaffeepause oder so. Abends liefen wir wieder zu Bach Nr. 1, der auch auf den Strand führt.
Und dann habe ich sie einfach mal abgeleint. Wenn keine Nebengeräusche da sind, hört sie unseren Ruf oder das ins Hände klatschen sehr gut…wenn sie will. Nach so langer Leinenzeit stellt sie auch schonmal ihre Ohren auf Durchzug. Kennt man ja von Junghunden, die einfach keinen Bock auf Leine und Schluss-mit-lustig haben.
Jaja, ich höre schon wieder manche sagen: so viele Hundestorys. Aber wisst ihr was? Das ist mir ganz und gar wurscht. Mein Blog, meine Regeln. Und es geht mit Sicherheit weiter mit Hundebildern *bätsch*.
Frühstück-Picknick am Meer
Montag, 14. September 2026: War das ein wunderschöner Morgen. Zuerst lief ich mit Emma eine kleine Runde, bevor wir einkaufen fuhren. Mit frischen Croissants und Baguette ging es dann wieder zum Strand. Dort im kleinen Wäldchen (das beim Orkan 2023 sehr klein geworden ist) picknicken wir sehr gerne. Und dieser Ausblick über den Strand, herrlich.
Vor einem der vielen Bunker in Ruhe sitzen und genießen – für mich immer wieder so ein Friedenssymbol, das aber daran erinnert, wie verdammt scheiße es sein kann. Passt zu unserer Zeit, wo Mächtige wieder gerne Kriege anzetteln.

Emma passte gut aufs Essen auf
Nicht nur Möwen sind zu sehen.
Danach noch ein kleiner Gang. Ich leinte Emma ab und siehe da, sie läuft einfach viel lockerer und besser, konnte sogar problemlos über die dicken, abgerundeten Steine gehen, die zwischen Düne und Sand liegen.
Fröhlichkeit im Hundegewand

Und der Rückweg
Auch Bäume können Liebe empfinden…oder so

Abends dachten wir, dass wir heute mal nicht ein zweites Mal zum Strand gehen und Emma ruhen lassen. Das Plan ging nicht auf, weil Emma unbedingt losziehen wollte. Sie zog wie Hulle an der Leine, lief durchs Wasser, freute sich über Hundekumpel und hätte gerne Möwen über den Strand gejagt.
Anschließend saßen wir noch lange draußen. Auf den Dünen versammelten sich immer mehr Möwen. Ein Zeichen dafür, dass fliegende Ameisen unterwegs sind. Auch flogen hunderte Schwalben herum. Die Sonne ging langsam unter und färbte den Himmel rötlich. Es ist hier so eine friedliche Atmosphäre, die wir jedes Mal genießen.
Tschüss, bis zum nächsten Mal
Sonntag, 20. September 2026: Acht Tage haben wir unseren bretonischen Lieblingsort genossen. Zwei Tage war unsere Nachbarin aus Spanien (Ulrike) hier. Mal sehen, wo wir sie als nächstes wiedersehen.
Wie jedes Mal fällt es mir schwer, diesen Ort zu verlassen. Es ist immer ein großer Herzschmerz. Seltsam oder? Das habe ich nur an diesem Ort. Vielleicht habe ich hier im früheren Leben gelebt, wer weiß. Und vielleicht werde ich im nächsten Leben hier leben, wer weiß.
Und Emma, der muss es ähnlich gehen. Sie fühlt sich hier so was von wohl. Und als hätte sie gestern gemerkt, dass wir heute abreisen, wollte sie doch tatsächlich am späten Mittag nochmal losziehen. Zu dieser Tageszeit hat sie seit Mai keinen Bock auf Gehen. Gestern wars anders und erinnerte ein wenig an die vielen Jahren, als wir an diesem wunderschönen Ort 3-4 x täglich mit Emma wanderten.
Eine lange Wanderung wurde es gestern natürlich nicht, aber eine fröhliche Schnuffeline war zu sehen:
Naja, ich könnte noch mehr Videos zeigen, mache ich aber nicht.
Jetzt wird der Blick nach vorne gerichtet und dabei geht das Herz dann wieder auf: Bei der Vorfreude auf all die Menschen, die wir bald wiedersehen.
Nu gehts in kleinen Schritten nach Hause und wir nehmen euch natürlich mit.
Bis dahin, bleibt gesund, munter und fröhlich
Mary, Gerd und Emma






















































