Wir tun es schon wieder und zwar genau jetzt

Was machen die denn jetzt schon wieder? Ja, die da ziehen um und zwar in ein rollendes Zuhause. Wie das so ist, mit dem Loslassen, Zulassen und Umziehen – das beschreiben wir mal ein bisschen.

Wenn…, dann…

Für mich (Marion) war es schon immer erschreckend, dass Menschen ihre Träume und Bedürfnisse verschieben oder verdrängen. „Wenn…(wir mal Rentner sind o.ä.), dann erfüllen wir uns unseren Traum“ – ein Spruch, der oft zu hören ist.

Und wenn es dann soweit ist, stehen wieder neue (scheinbare) Steine im Weg – oder es ist zu spät…

Vielleicht ist es zu spät, vielleicht ist es zu früh, vielleicht ist es genau jetzt“ – heißt es in einem Song von Nena. Wir nehmen dann mal letzteres: Genau jetzt ist es richtig und gut für uns!

Ein Leben im Wohnmobil – das ist für uns nicht neu. Wir sind vor 16 Jahren ausgewandert und zwar mit  umgebautem Bus. Rund sieben Jahre haben wir im rollenden  Zuhause gewohnt und wir haben uns mit dieser  Lebensart sehr wohl gefühlt.

Trotzdem sind wir wieder  in ein immobiles Heim gezogen und seit nun etwa drei Jahren blieb der Wunsch bestehen, erneut ins Wohnmobil zu ziehen.

Und weil dieser Wunsch sehr hartnäckig bestehen blieb, haben wir uns gesagt: Wenn nicht jetzt, wann dann?!

So beschlossen wir während unserer Sommertour 2017, dass wir jetzt Nägel mit Köpfen machen und diesen Schritt wieder gehen.

Wie bei jeder Veränderung ist es ein Loslassen und Zulassen: Altes und Gewohntes loslassen und Wünsche und Bedürfnisse zulassen.

Für mich (Marion) ist diese Zeit dazwischen immer etwas doof, also wenn man noch mit einem Bein im „Alten“ steckt und mit dem anderen Bein schon das „Neue“ betreten hat. Ich bin eher so eine Ruckzuck-Handlerin: Heute beschlossen und morgen schon machen. Aber so flott geht es diesmal nicht und meine Geduld ist gefragt (wuaaaah).

Warum zieht ihr denn ins Wohnmobil?

Viele Menschen, die uns kennen, haben überhaupt nicht erstaunt reagiert. Sie kennen uns halt und manche noch aus unserer Buszeit. Anderen war klar, dass wir irgendwann wieder ein Leben im Wohnmobil dem eines im Haus vorziehen. Und wieder andere zeigten eine verwirrte Reaktion. „Warum zieht ihr denn ins Wohnmobil“, heißt eine der Fragen, die uns gestellt werden. Antwort: „Weil wir uns damit einfach freier fühlen und weil wir das jetzt einfach machen wollen“.

Für uns ist das Leben im Wohnmobil mit Gemütlichkeit, Freiheit, Abwechslung und vielem mehr verbunden. Wir genießen es und nach jeder Tour wollten wir am liebsten im Wohnmobil bleiben. Dabei müssen wir noch nicht einmal nur und ständig reisen. Es tut auch gut, manchmal länger an einem Ort zu bleiben – und mittlerweile haben wir ja auch mehrere Orte, wo wir uns zuhause fühlen.

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Geht ihr weg aus Aguilas?

Nächste Frage, die uns immer wieder gestellt wird. Antwort: „Nö“.

Aguilas ist unsere Heimat. Hier sind wir gerne – im Herbst, im Winter und im frühen Frühling. Den Sommer mögen wir überhaupt nicht und dann werden wir weiterhin verreisen. Die Sommertouren könnten eventuell länger als bisher dauern. Wir legen uns aber nicht fest, warum auch.

In Aguilas sind zudem einige Menschen, die wir mögen und die wir nicht mehr missen möchten. Es müsste also sonst etwas passieren, um Aguilas ganz den Rücken zuzukehren. Und weil wir gar nicht wissen, was dafür passieren müsste, werden wir weiterhin Bewohner von Aguilas bleiben.

Wenn schon, denn schon

Vor ungefähr einem Jahr hatten wir die Idee, unser Häuschen zu behalten und jemand anderen darin wohnen zu lassen. Nun ja, die ganze Sache ging schief und somit nahmen wir von dieser Idee Abstand. Wir beschlossen, zunächst halb im Haus, halb im Wohnmobil zu bleiben. So sind wir von April bis Mitte Juni drei-vier Tage im Haus und drei-vier Tage im Wohnmobil gewesen. Mitte Juni starteten wir die Sommertour.

Wir entschieden: Wenn schon, denn schon. Das bedeutet: Wenn wir ins Wohnmobil ziehen, dann auch ganz und gar. Halbe Sachen sind doof. Und so kam es, dass wir alles zum Kauf anboten.

Häuschen adé und tschüss Ingo

Neues zu beginnen heißt auch immer: Loslassen. Kann ich eigentlich ganz gut, denn mein Herz wird selten an Dinge verschenkt. Aber, nun ja…

Das Häuschen hat neue Besitzer gefunden und es fiel mir dann nicht ganz so leicht Abschied zu nehmen. Irgendwie stand ich da im Haus und es kamen Erinnerungen hoch und so. Ein wenig Herzschmerz machte sich breit. Das gehört wohl dazu, das Loslassen. Wir haben hier schöne Jahre verbracht und die Umgebung mit der tollen Natur hat für uns auch einen großen Reiz. Aber hier wohnen liebe Menschen, die wir garantiert immer mal wieder besuchen gehen und somit bleibt uns zumindest ein Teil dieser Gegend erhalten.

Seitdem wir von der Sommertour zurück sind, verbringen wir die halbe Zeit im WoMo am Strand und anderen Orten und die restliche Zeit am Haus, aber im WoMo. Wir müssen halt noch ein paar Sachen wegräumen, den Wohnwagen wegfahren usw.

Jo und mein Ingo Berlingo war ja noch da. Für andere ein stinknormales Auto, für mich aber viel mehr. Vor zwei Jahren kam Ingo zu mir und bot mir ein Stück mehr an Freiheit. Nun kam ich auch mal hier vom Campo weg, konnte mit Emma zum Strand fahren oder auch zum Tierschutzverein. Leider kamen dann meine Schulterprobleme dazwischen und die machten es mir schwer, überhaupt zu lenken oder zu schalten – neben vielen anderen Dingen im Alltag. Somit fuhr ich schon wesentlich weniger mit Ingo. Ich hätte ihn trotzdem am liebsten behalten, denn mein Herz hängt tatsächlich an diesem Wagen – verrückt, ich weiß. Nur hätte das Auto dann hier herumgestanden oder ich hätte mit dem Wagen hinter unserem WoMo herfahren müssen. Beides ziemlich sinnbefreit.

Also brauchte Ingo ein neues Zuhause und das kam schneller, als ich dachte. Oh man, ich habe tatsächlich Tränen vergossen, am Tag bevor Ingo von seinen neuen Besitzern abgeholt wurde. Ich fasse es selbst nicht, aber so war es. Das Schöne ist: Die neue Besitzerin freute sich genauso sehr über Ingo, wie ich vor zwei Jahren. Zudem fährt auch wieder ein Hund mit.

Tja, loslassen ist manchmal doch nicht so einfach.

Neue Lebensphase, neues rollendes Zuhause

Auch von Kulti verabschieden wir uns. Über vier Jahre hat er uns sehr viele Kilometer gefahren. Aber nun möchten wir einen etwas größeren Wagen nutzen, der z.B. Platz für eine Dusche bietet. Joar, man wird älter und da kommen andere Wünsche auf. Außerdem muss Platz für Werkzeug und Co. vorhanden sein.

Die Suche nach einem anderen rollenden Zuhause ist allerdings gar nicht so einfach. Wir wollten ja kein „normales“ Wohnmobil.  Selbstausbauten sind aber rar – in Spanien. Somit ging die Suche nach einem LKW mit Kastenaufbau los. Die meisten dieser Autos hatten jedoch 8 Tonnen. Ok, ablasten dürfte ja nicht das Problem sein. Ist es aber, in Spanien. Die Bürokratie in diesem Land ist manchmal erschreckend. Man muss nämlich die Genehmigung des Herstellers haben – und so ein Wisch kostet wieder viel Knete. Das Thema hatten wir schon einmal mit unserem VW-Bus, der vorher Gefrierwagen war. Der Ausbau dieses Gefrierzeugs war schnell gemacht, aber der TÜV sagte: Nö, so nicht, das muss genehmigt sein.

Gerds Augen wurden stetig kleiner und müder, vor lauter Suche im Internet. War ein Wagen vorhanden, der zu unseren Wünschen passte, waren die Besitzer nicht zu erreichen oder das Auto schon verkauft.

Wahrscheinlich haben wir jetzt unser zukünftiges rollendes Zuhause gefunden, das aber komplett ausgebaut werden muss. Ob es dieser Wagen werden wird, zeigt sich am Donnerstag. Im nächsten Blogartikel werde ich den „Neuen“ vorstellen und vielleicht ein bisschen den Ausbau dokumentieren.

Blogname

Unser Blog nennt sich kultitours –  und eigentlich müssten wir jetzt den Namen ändern. Wir sind ja nicht dauernd auf Tour und Kulti ist dann auch nicht mehr bei uns.

Aber: Name bleibt und basta. Wir werden weiterhin von unseren Touren berichten und hin und wieder auch von unserem Leben im Wohnmobil erzählen.

5 Gedanken zu “Wir tun es schon wieder und zwar genau jetzt

  1. Hallo Marion,
    irgendwie scheinen wir uns doch ein wenig ähnlich zu sein 😉 . Ich drücke euch alle Daumen, dass alles so läuft, wie ihr es euch vorstellt – vor allem der Ausbau des Neuen. Freue mich, weiterhin mitzulesen und euch hoffentlich bald in Spanien kennenzulernen. Wir müssen uns ja sowieso treffen, damit ich ein paar Bücher loswerde.
    Ganz liebe Grüße,
    Ute

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  2. Toll geschrieben, hab ein bisschen Pipi in den Augen … Loslassen und so, was man lieb gewonnen hat über die Jahre, auch wenn es nur „Dinge“ sind. Aber ich finde, es ist ein grosser Schritt und dazu gehört Mut. Die „Neuen“ werden das Häuschen hegen und pflegen und freuen sich wie Bolle auf den neuen Lebensabschnitt. Für Donnerstag und neuem „Kulti“ drücke ich ganz ganz fest die Daumen.

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